Gedanken Zur Woche 


“Gott und den Nächsten lieben“


Hl. Dorotheos von Gaza (um 500-?)

Je mehr man mit dem Nächsten verbunden ist, desto mehr ist man mit Gott verbunden. Damit ihr diesen Satz besser versteht, möchte ich euch seinen Inhalt mit einem Bild verdeutlichen, das ich von den Vätern übernommen habe. Stellt euch einen auf die Erde gezeichneten Kreis vor, also eine mit einem Zirkel gezogene runde Figur mit einem Mittelpunkt. Die Mitte des Kreises wird als Zentrum bezeichnet. Nun passt gut auf: Stellt euch vor, dass dieser Kreis die Welt darstellt, das Zentrum Gott und die Strahlen, also die Verbindungslinien zwischen Kreis und Mittelpunkt die verschiedenen Wege und Lebensweisen der Menschen. Wenn nun die Heiligen, die Gott näher kommen wollen, auf die Kreismitte zugehen, so kommen sie in dem Maß, wie sie nach innen vordringen, einander näher und gleichzeitig Gott. Je mehr sie sich Gott nähern, desto näher kommen sie einander, und je näher sie einander kommen, desto mehr nähern sie sich Gott.      
 
Und ihr versteht, dass das Gleiche auch umgekehrt gilt, nämlich wenn man sich von Gott abwendet und auf das zustrebt, was außen ist. Es ist klar: Je weiter man sich von Gott entfernt, desto weiter entfernt man sich auch voneinander, und je weiter man sich voneinander entfernt, desto weiter entfernt man sich auch von Gott.

Das ist das Wesen der Liebe. In dem Maß, wie wir uns außen befinden und Gott nicht lieben, stehen wir auch unserem Nächsten fern. Wenn wir aber Gott lieben, wächst in dem Maß, wie wir uns aus Liebe Gott nähern, auch unsere Liebe zum Nächsten; und in dem Maß, wie wir mit unserem Nächsten verbunden sind, sind wir es auch mit Gott.